Zitty Interview - 3000Grad Festival 2019
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INTERVIEW MIT DER ZITTY - STADTMAGAZIN BERLIN MAI 2019
Lesezeit: 8 Minuten



 

Seit wann gibt es das Festival?

Unser 3000Grad Festival gibt es seit seit 2010.

 

Wie viele Gäste hat Euer Festival?

Wir haben von Anfang an den Ansatz “so klein wie möglich, so groß wie nötig” verfolgt. Deshalb sind die Tickets seit Jahren limitiert. Im Laufe der Jahre ist die Zahl leicht angestiegen, von ursprünglich 3000 auf nun 4500 Tickets. Der Grund dafür: Immer mehr Auflagen, die immer höhere Kosten verursachen, sowie der Ausbau und die Verbesserung der Infrastruktur hinter dem Festival.

 

Was kostet ein Ticket? (mit allen Gebühren, Umsatzsteuer und Versand)

Das Festivalticket kostet 125 Euro + 4 Euro VVK-Gebühr.

 

Welche Musikrichtungen werden bei Euch gespielt?

Von Downbeat und World Music über Dub und Ethno-Geschichten bis hin zu Techno, House und Melodic ist alles dabei. Auch Ambient und experimentelle Electronica kann man bei uns hören. Und manchmal ist auf der Bühne ein Singer/Songwriter oder eine Ska Band.

 

Wie viele Floors gibt es?

Es gibt insgesamt 8 Musikbereiche, einer davon mit ganz viel Theater, Kabarett und Freakshows, sowie einen beschallten Strand am Badesee. Zwischen den verschiedenen Bühnen und auch mitten auf der Tanzfläche sind zu jeder Tages- und Nachtzeit ganz viele Performance-Künstler und Akrobaten unterwegs. Da kann man auf dem Weg von einem Floor zum nächsten schonmal verzaubert werden...

 

Was ist das Besondere an eurem Fest?

Die ganz bewusst familiär und persönlich gehaltene Atmosphäre. Wir wollen eine “Lagerfeuer mit Freunden” Stimmung erzeugen, das ist uns genauso wichtig wie die Momente der großen Gefühle vor einer großen Anlage mit großartigen Musikern und Künstlern. Zumindest für ein Wochenende wollen wir die Utopie einer besseren Welt wahr werden lassen. Wir wollen, dass unsere Besucher mit vielen schönen Erinnerungen aber auch mit Inspiration für ihren Alltag nach Hause gehen. Deshalb ist es uns z.B. auch sehr wichtig, das Festival so nachhaltig wie möglich zu organisieren. Wir wollen zeigen: Es geht auch anders. Und wir erweitern unser Workshop-Programm immer mehr, mit genau diesem Ziel.

 

Wir sind ein Verein, verfolgen keine kommerziellen Ziele und sind komplett eigenfinanziert, ganz ohne Sponsoren. Da unser Verein sich aus den Reihen eines Künstlerkollektivs zusammensetzt haben wir natürlich einen sehr starken Fokus auf all die Musik, die wir leben.

 

 

Was sind die größten Herausforderungen beim Festival-Machen?

Einerseits ist da die persönliche Herausforderung an uns als Team: Wir wollen das Festival jedes mal wieder zu einem Erlebnis machen, an das man sich mit leuchtenden Augen und verschmitzten Grinsen erinnert. Auch, was die für unserer Besucher meist unsichtbare Infrastruktur angeht, wie z.B. Wasserleitungen. Das motiviert uns unglaublich viel, aber wir müssen diesen Anspruch auch mit zwei anderen Aspekten in Einklang bringen: Bezahlbarkeit und Nachhaltigkeit.

 

Zum Stichwort Bezahlbarkeit sei gesagt, dass wir ja ganz bewusst ohne jegliche Sponsoren arbeiten. Dadurch haben wir als kleines Festival ein sehr begrenztes Budget. Wenn z.B. eine große Biermarke eine ganze Bühne bezahlt und mit ihren Flaggen und Postern dekoriert, dann ist in Sachen Booking, Anlage und Licht natürlich so einiges möglich. Diese Einkommensquelle existiert bei uns aber nicht, denn wir stehen halt nicht auf Flaggen, Poster und das was dadurch zum Ausdruck kommt: Konsumkultur. So abgedroschen es auch klingt, alles wird immer teurer. Ihr kennt das sicher auch. Wenn ich mir zum Beispiel anschaue, wie sich die Künstler-Gagen in den letzten 9 Jahren entwickelt haben... das ist schon heftig. Aber auch Technik, vom geliehenen Starkstromkabel bis zum Scheinwerfer, wird Jahr für Jahr teurer. Und wir kriegen immer mehr amtliche Auflagen: Da muss noch ein Zaun hin, dieser Bereich muss auch vom Sicherheitspersonal kontrolliert werden. All das bedeutet steigende Kosten. Für ein Festival mit dem Anspruch "so klein wie möglich, so groß wie nötig" ist das eine große Herausforderung. Und wo wir bei den amtlichen Auflagen sind: Die Verhandlungen mit den Behörden, der Gemeinde und den Anwohnern sind immer wieder ein diplomatischer Balletttanz, auch nach all den Jahren in Feldberg.

 

Und dann ist da der für uns immer wichtiger werdende Aspekt der Nachhaltigkeit bzw. Umweltverträglichkeit. Darüber zu reden ist leicht und aktuell ja eine große Mode... aber wie hält man den Ball in Sachen Müll und sonstiger Umweltverschmutzung möglichst flach? Und schafft es trotzdem, ein immer wieder großartiges Erlebnis für alle zu schaffen? Das ist eine wirklich nicht zu unterschätzende Herausforderung.

 

Was war Euer schönster Festivalmoment?

Am Sonntag Abend spielt auf der Waldbühne zuletzt immer unsere "Hausband" Skazka Orchestra. Das ist immer ein sehr emotionaler Moment. Das gesamte Team versammelt sich an und auf der Bühne und wir feiern zusammen mit unserer Besuchern. Ich kriege eine Gänsehaut, wenn ich an diese Momente denke…

 

 

Was war Eure größte Katastrophe?

Da fällt mir die Geschichte mit dem Feuer ein. Wie alle Festivals haben auch wir amtliche Auflagen, was die Lautstärke außerhalb des Geländes angeht. Um die zu erfüllen, müssen wir auf dem Gelände verschiedene Schallschutz-Maßnahmen durchführen. Auf unserer Waldbühne war das konkret ein regelrechter Berg aus Strohballen. Das ist ein Stichwort, das wiederum nach einer anderen amtlichen Auflage schreit: Brandschutz. Um den zu gewährleisten, haben wir außenrum weiträumig Bauzäune gestellt. Irgendwie hat es aber doch jemand geschafft, eine Zigarette da rein zu schnippen. Mitten in der Nacht, als das Ballett in vollem Gang war. Es war zwar kein loderndes Strohfeuer, aber trotzdem ein ernsthafter Schwelbrand. Unsere Crew ist mit Feuerlöschern hin, aber wir haben natürlich auch die freiwillige Feuerwehr aus dem Ort alarmiert. Die Jungs und Mädels hatten sich gerade abgemeldet und waren schlafen gegangen... Na toll! Es war mir wirklich sehr unangenehm, sie jetzt wieder rauszuklingeln. Aber sie kamen mit dem Löschwagen und haben das Feuer gelöscht. Dafür haben sie dann spontan so viel Applaus geerntet wie ein DJ zur Spitzenzeit. Auch als sie wieder vom Platz fuhren wurden sie überall abgefeiert. Ich bin mit dem Mofa nebenher und wollte mich am Ausgang nochmals entschuldigen, dass wir sie mitten in der Nacht rausklingeln mussten. Aber als ich ans Fenster des Einsatzleiters kam, streckte der mir seine Hand entgegen und sagte "Danke!"

 

Gibt es bei Euch Workshops? Warum/nicht?

Ja, Workshops sind für uns sehr, sehr wichtig! Warum? Wir glauben daran, dass ein Festival immer wieder auch ein gesellschaftliches Experiment ist. Ein temporärer Freiraum, in dem die Normen, Routinen und Zwänge des Alltags nicht gültig sind. Ideale Bedingungen, um neue Denkmuster zu stricken – und die wirken wiederum weit über das Ende des Festivals hinaus. Heute sind sich viele Menschen in unserer Gesellschaft darüber einig, dass es mit dem Planeten im Allgemeinen und unserer Beziehung zu Mutter Natur sehr schlecht läuft. Aber was tun? In unserem Festivalprogramm 2018 haben wir es so zusammengefasst: Wer das Ruder herumreißen will, braucht dafür Kraft, Ruhe und nicht zuletzt eine Perspektive. Darum geht es hier auf dem 3000Grad Festival. Wir verstehen uns als ein Ort, an dem wir lachen und tanzen. Als ein Ort im Auge des Sturms, wo wir positive Energie tanken. Aber auch als ein Ort, der uns langfristig inspiriert und motiviert. Als Rest vom Fest soll etwas hängenbleiben von der Utopie einer besseren Welt, die wir hier zelebrieren: Sie soll Wurzeln schlagen und Früchte tragen, indem sie in unser alltägliches Handeln übergeht!

 

 

Seit 2015 haben wir den Schwerpunkt Nachhaltigkeit im Programm. In den ersten Jahren haben wir gemeinsam mit einem Rostocker Team einen Analyse-Workshop zum Thema Nachhaltigkeit des 3000Grad-Festivals gemacht. Also bei uns selbst angefangen. Es gab dann die ersten Workshops und Vorträge, und das Feedback war großartig. Jahr für Jahr nahm das Interesse für diesen Aspekt des Festivals zu, und dementsprechend haben wir ihn immer weiter ins Zentrum gerückt. Regelmäßig wiederkehrende Themen sind z.B. Upcycling, Globaler Konsum, Fairer Handel, Flüchtlingshilfe, Naturschutz und bewusste Körperwahrnehmung. Dabei arbeiten wir mit verschiedenen Partnern aus der Region, wie etwa dem Sobi e.V. Rostock, Rostock Hilft!, Flüchtlingsnetzwerk MV und PopKW, aber auch mit internationalen Projekten wie Sea Shepherd, Amnesty International oder WWF. Neben Workshops gibt es auch Vorträge und Filmnächte. Wir legen großen Wert auf konkrete, greifbar Themen mit denen jede und jeder Einzelne im Alltag arbeiten kann. Von dem großen Interesse seitens unserer Besucher waren wir sehr überrascht - das zeigt uns, daß wir mit dem Thema auf dem richtigen Weg sind! Für 2019 möchten wir den Schwerpunkt Workshops nochmals deutlich erweitern und haben interessierte Menschen und Initiativen eingeladen, Vorschläge für neue Workshops zu machen.

 

Was habt ihr über die Jahre gelernt?

Man fährt immer zweimal zum Baumarkt.

 

Umweltschutz/ Tiere in der Umgebung: wie achtet man da drauf? schlechtes

Gewissen?

Umweltschutz ist für uns ein sehr ernstes, immer wichtiger werdendes Thema. Wie kann man ein tolles Festival machen, auf dem alle immer wieder Spaß haben – und gleichzeitig möglichst wenig Müll produzieren? Hier ein paar Antworten, die wir in den letzten Jahren gefunden und weiterentwickelt haben: Unser Müll wird komplett auseinander genommen, jeder Müllsack wird geöffnet und im Sinne von Recycling sortiert. Wir sind bezüglich des an unser Festival angrenzenden Naturschutzgebiets besonders sensibel, sorgen für eine entsprechende Absperrung und klären unsere Besucher über das Thema auf. Ein ortsansässiger Naturführer bietet während des Festivals Touren ins Naturschutzgebiet an. Wir benutzen für das Crew-Catering ausschließlich klassisches Geschirr und Besteck, keine Einweg-Produkte. Das bedeutet mehr Aufwand, aber deutlich weniger Müll. Wir versuchen für alles, was an unseren Tresen verkauft wird, möglichst viele Zulieferer aus der Region zu finden. Das gilt auch für den Einkauf der Lebensmittel fürs Crew-Catering. Wir gestalten viele Deko-Elemente und Bühnenbilder um oder benutzen sie auf anderen Events, anstatt sie einfach wegzuschmeißen. Wir versuchen unsere Besucher für Umweltthemen zu sensibilisieren, wie zum Beispiel die Unsinnigkeit von Konfetti. Da knüpft auch unser Workshop-Angebot an, wir wollen umweltbewusstes Denken fördern. Beim kommenden Festival werden wir außerdem einen oder zwei der kleinen Floors mit Solarenergie betreiben.

 

Wie “sauber” ist euer Publikum, räumen die auf?

Insgesamt sind wir zufrieden, absolut. Das seit vielen Jahren existierende Müllpfand-Prinzip hat dabei sicher geholfen. Klar, ein paar Müllhaufen liegen am Montag auf dem Campingplatz. Aber im Vergleich mit vielen anderen Festivals beurteilen wir unsere Besucher als sehr respektvoll und sauber.

 

Was macht eine gute Location aus?

Wald, See und 3000Grad! Das war unser Anspruch und wir sind sehr glücklich, diese drei Elemente als Eckpfeiler für unser Festival zu haben.

 

Sind Kinder erlaubt? Warum/nicht?

Kinder sind bei uns erlaubt, ja. Wir haben auch zwei Family Camps für Besucher mit Kindern. Eines ist ganz ruhig, das andere ganz am Ende.

 

 

 



SAVE YOUr TICKET >>>

https://3000grad-festival2019.eventbrite.de


 
 

Looking forward to see you,
 your 3000Grad-Crew





~3000GRAD FESTIVAL~
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